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Courage - der Name soll Programm sein und das besondere Profil des Verbandes kennzeichnen: überparteilich und international, solidarisch und demokratisch – ein Zusammenschluss von Frauen jeden Alters und jeder Tätigkeit. 
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Eine Reise zu den mutigen Frauen „Opfer des Krieges“ nach Sarajevo PDF Drucken E-Mail

Massenvergewaltigung als Kriegswaffe - eine Reise zu den mutigen Frauen „Opfer des Krieges“ nach Sarajevo




Wir, Gabi, Karin vom FV Courage Bochum und Vesna, waren im Sommer 2017 mehrere Tage zu Besuch bei der Vereinigung „Frauen als Kriegsopfer“ in Sarajevo und wir haben viel erlebt und erfahren über den fast schon vergessenen Krieg in Bosnien und Herzegowina 1992 -1995 und die Massenvergewaltigung an Frauen.

Wie der Kontakt zustande kam


Wir hatten Medhita Oruli und Bakhira Hasecic, die Vorsitzenden, letzten Herbst beim Europatreffen der Weltfrauen 2016 kennengelernt. Bakhira und Medhita hatten ihr Projekt damals auch bei Courage Bochum vorgestellt. Wir haben die beiden ins Herz geschlossen und ihre Einladung zu einem Besuch in Sarajevo gerne angenommen.

Situation in Sarajevo 1992 – 1996

Nach dem Auseinanderbrechen des ehemaligen Jugoslawiens und der Abspaltung der Republiken von Slowenien, Kroatien sowie Bosnien und Herzegowina begann 1991 ein Krieg in Slowenien, 1992 in Bosnien und Herzegowina, der unsägliches Leid über die Bevölkerung aller Republiken brachte.
Insgesamt forderte der Krieg in Bosnien und Herzegowina mehr als 100 000 Todesopfer. Zweidrittel der Leidtragenden war und ist die bosnische Bevölkerung. Etwa 2,2 Millionen Menschen flohen oder wurden vertrieben, 700.000 davon flüchteten ins Ausland. Allein in Sarajevo gab es 11 541 Tote.
Vom 5. April 1992 – 29. Februar 1996 zogen bosnisch-serbische Truppen, Teile der alten Jugoslawischen Volksarmee und Paramilitärs einen Belagerungsring um die Stadt.
Mit fast vier Jahren war dies die längste Belagerung einer Stadt im 20. Jahrhundert. Fast 4 Jahre lang gab es keinen Strom, keine Heizung, kaum Lebensmittel und Medikamente. In den strengen Wintern wurde fast der gesamte Besitz verheizt. Um Wasser oder Lebensmittel zu besorgen, mussten die Menschen oft Kilometer weit durch die Stadt laufen, bedroht von Heckenschützen, serbischen Scharfschützen und durchschnittlich 329 Granaten pro Tag.
Kriegsverbrechen, ethnische Säuberungen und Massenvergewaltigungen als Kriegsmittel
Neben der Zerstörung von Häusern, Infrastruktur oder Kulturgütern in den eroberten Gebieten wurde seitens der serbischen Kräfte, aber auch durch die moslemische und kroatische Seite alles Denkbare unternommen, um den jeweiligen Gegner für immer aus den eroberten Gebieten zu vertreiben: Es wurde gemordet, gequält, entwürdigt, zur Zwangsarbeit getrieben, terrorisiert. Und es kam zu Massenexekutionen, systematischen Vergewaltigungen, Deportationen und Folter.
Gerade die Vergewaltigungen verbreiteten Schrecken, lösten Fluchtbewegungen aus, erniedrigten, demoralisierten. Sie sollten sowohl das Opfer als auch seine Familien und die Gemeinschaft zerstören und eine Rückkehr an den Ort des Geschehens ausschließen.
Es gab Kriegsverbrechen von allen Seiten und alle Kriegsparteien unterhielten Lager. Beim Massaker von Srebrenica im Juli 1995 wurden in Massenexekutionen 8000 bosnische Jungen und Männer ermordet. Das schwerste Kriegsverbrechen seit Ende des II. Weltkrieges, an dem auch Blauhelme beteiligt waren, wurde von der UN als Völkermord klassifiziert.
Bis heute wurden in Bosnien und Herzegowina 650 Lager und Gefängnisse registriert. Schätzungen zufolge wurden zwischen 1992 und 1995 zwischen 25 000 und 50 000 Mädchen und Frauen systematisch vergewaltigt und sexualisierter Gewalt und Folter ausgesetzt. Gezielte Massenvergewaltigungen wurde bewusst als Kriegswaffe eingesetzt, als taktisches Kriegsmittel. Aus dem Bericht der UN Menschenrechtskommission 1993:
„Vergewaltigungen wurden als ein Instrument der langsamen ethnischen Säuberung benutzt. Die Mehrheit der Frauen waren Bosnierinnen, vergewaltigt von serbischen Soldaten.“ (Broschüre des Vereins „Frauen als Kriegsopfer“, S.8)
Die Täter sind Radovan Karadzic, Ratko Mladic, Biljana Plavsic und Momocilo Krajisnik, Spezialeinheiten der serbischen Armee, das Militär, faschistische, paramilitärische Truppen wie die Weißen Adler, Tschetniks, Söldner, Mudschahedin Einheiten, Soldaten aus Montenegro sowie manchmal auch die Polizei, sogar Arbeitskollegen oder Freunde.
Diese Vergewaltigungen müssen laut UN „als eine systematische und geplante Aktion betrachtet werden, die ein wichtiges Element der serbischen Kriegsführung war. In diesem Fall war es die übelste Art von Angriff in Bosnien und Herzegowina, eine Art Ersatz für einen Genozid.“  (Broschüre „Frauen als Kriegsopfer“, S.8)
Seit 2006 haben die Überlebenden den einzigartigen Status des zivilen Kriegsopfers, der allerdings in der Republik Srpska nicht anerkannt wird.
Die Opfer waren zu 85 % bosnische, muslimische Frauen und Mädchen zwischen 12 und 70 Jahren, 10.000 wurden direkt nach der Vergewaltigung ermordet oder starben an den Folgen.
„Frauen waren Opfer von sexuellen Verbrechen, physischen und psychischen Misshandlungen in einem solch ungeheurem Ausmaß, wie es ein normaler Mensch nicht begreifen kann. Abgesehen davon, dass sie in großer Zahl vergewaltigt wurden, wurden sie gefangen gehalten, als Geiseln genommen, in Gefängnisse eingesperrt und in Konzentrationslager gebracht, gefoltert, als menschliche Schutzschilder missbraucht. Sie wurden als Zwangsarbeiterinnen benutzt, aus ihren Dörfern und Städten verbannt, ausgeraubt, ermordet, in Gruben und Massengräber geworfen und brutal gedemütigt, erniedrigt auf unzählige Arten.
Oft wurden junge Mädchen im Alter zwischen 12 – 14 Jahren zu speziell ausgesuchten Plätzen gebracht, wo sie neben anderen Arten von Misshandlungen schrecklichen Folterungen und Vergewaltigungen ausgesetzt wurden, auch wurden sie körperlich entstellt oder ermordet.
“ (Broschüre „Frauen als Kriegsopfer“, S.4-5)
In den Lagern befanden sich meist zwischen 10 und 200 Frauen, festgehalten zwischen einem Monat und vier Jahren, oft bis zur späten Schwangerschaft, damit sie gezwungen waren zu entbinden. Viele wurden auch bereits im Lager ermordet. Ihre Männer wurden entweder ermordet, gefangengenommen oder zur Flucht getrieben.
Flucht aus dem Lager war nicht möglich. Sie mussten ohne Decken oder Mäntel auf dem nackten Boden schlafen, bekleidet nur mit dem, was sie anhatten, als man sie aus ihren Wohnungen und Häusern holte.
Meist gab es nur alle 3-4 Tage etwas zu essen, tagelang kein Wasser, so dass sie ihren eigenen Urin tranken. Midheta z.B. ist von 60 auf 45 Kilo abgemagert.
In Visegrad in Ostbosnien gab es 10 Lager wie z.B. das ehemalige Kurhotel „Vilina Vlas“, das zu einem Frauenlager umfunktioniert wurde. Ungefähr 200 bis 300 Mädchen befanden sich in diesem Hotel, das gleichzeitig Quartier der „Weißen Adler“ war. Bis heute fehlt jede Spur von den Mädchen, ihre Körper wurden nicht gefunden, nur eine Handvoll überlebte.
1992 lebte Bakira mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern in ihrem Haus mit Blick auf die Drina. Jahrhundertelang lebten in Visegrad Muslime, Christen und Juden friedlich zusammen. Bakira: „Vor dem Krieg war Visegrad einer der schönsten Städte der Welt. 90% meiner Freunde waren Serben. Ich war in ihren Häusern zu Gast, wir haben zusammen gefeiert und waren wie eine Familie. Ein wunderbares Leben hatten wir.“ Es gab keine Unterschiede nach Nationalität oder Glauben.
Im April 1992 werden sie und ihre beiden Töchter monatelang vergewaltigt und festgehalten. Sie musste mit ansehen, wie Menschen eingesperrt und in ihren Häusern lebendig verbrannt wurden, wie serbische Soldaten Muslime einfach in die Drina warfen. 17 Mitglieder ihre Familie wurden ermordet.
Leila, ein damals 15 jähriges bosnisches Mädchen erzählt ihre Geschichte in einem 2000 erschienenen Buch „Leila- Ein bosnisches Mädchen“ von Alexandra Cavelius. Anfang des Krieges wird sie in ein Lager gesperrt, geschlagen, misshandelt vergewaltigt. Nach 4 Monaten wurde sie zu einem Kommandanten auf eine Festung gebracht und mehrmals missbraucht, dann an die berüchtigte „Schwarze Legion“ für ein Päckchen Zigaretten weiterverkauft und dort brutalst vergewaltigt und gefoltert. Danach kam sie in ein Bordell, wo sie mit anderen Frauen in einem kleinen Zimmer festgehalten wurde:
„In einem dämmrigen Zimmer fand ich mich wieder. Wie zuvor gab es keine Möbel, keinen Ofen und keine Waschgelegenheit. (…) Zwölf junge Frauen kauerten auf dem Betonboden. Durchsichtig und verwahrlost sahen sie aus. Wie lebendige Tote. (…) Der Raum war vielleicht fünfzehn Quadratmeter groß. In der Mitte lag eine zerknautschte Decke. Es stank bestialisch nach Fäkalien. In einer Ecke erledigten die Frauen ihre Notdurft. Fliegen krochen die Wände hoch. Es war verboten, hier sauberzumachen. Zwölf Monate lang. In mir erwachte wieder ein Hoffnungsschimmer. Vielleicht würde ich an einem Ort, an dem sich mehrere Frauen aufhielten, leichter überleben. Die anderen waren etwas älter als ich. Vermutlich um die Zwanzig. Früher hatten sie sicherlich sehr schön ausgesehen, aber hier war nicht mehr viel davon übriggeblieben. Sperma verklebte ihre Haare. Frische Narben bedeckten die Gesichter. Ihre Finger waren blutig. Die meisten hatten offene Wunden, besonders an den Beinen. (…) Meistens mussten wir mit ansehen, wie die Soldaten sich an den anderen Frauen vergingen. Wie sie sich auf deren knochigen Körpern befriedigten, Zigaretten auf den Brüsten ausdrückten oder Messer in ihre Haut schlitzten. (…) Dieses ganze Grauen hätten wir nicht ausgehalten, wären wir nicht schon längst völlig abgestumpft gewesen. Die Männer tauchten zu jeder Tageszeit auf. Nachts wählten sie sich mit Taschenlampe jemanden aus. (…) Ein Jahr lang durften wir dieses Zimmer nicht verlassen.“   (Cavelius, S. 85-93)
Heute lebt Leila mit ihrem Kind in einer Kleinstadt nahe Sarajevo, arbeitslos, ohne Perspektive. Sie wollte als Kronzeugin in Den Haag gegen Juvuz Begic auftreten, hat aber wegen Morddrohungen und einem Attentat auf sie aus Angst um ihr Leben zurückgezogen.
Diese systematisch durchgeführten Vergewaltigungen dienten also der langfristigen psychischen und physischen Zerstörung sowohl der Frauen als auch ihrer Familien und erstickten jeden Wunsch auf Rückkehr in das besetzte Gebiet.
Folgen der Vergewaltigungen
Medica mondiale, auch bekannt durch die Ärztin Monica Hauser, und Medica Zenica in Bosnien haben 2015 gemeinsam eine Studie mit 51 Überlebenden in Bosnien und Herzegowina zu den Langzeitfolgen von Kriegsvergewaltigungen und zu den Bewältigungsstrategien herausgegeben. „We are still alive. Wir wurden verletzt, doch wir sind mutig und stark.“
Zitat Studie, S.5: „Kriegsvergewaltigungen verletzen die Rechte der Frauen aufs Schwerste und haben extrem zerstörerische Auswirkungen auf deren körperliche, psychische und soziale Unversehrtheit.
Die Frau wird gedemütigt: der intimste Teil ihres Selbst wird schwer verletzt; ihre Würde wird mit Füßen getreten. Viele Frauen leiden jahre- und jahrzehntelang unter physischen und psychischen posttraumatischen Symptomen wie Panikattacken, chronischen Schmerzen und Krebserkrankungen – sie fühlen sich schlichtweg heimatlos in ihrem Leben.“

57% leiden an posttraumatischen Belastungsstörungen: Sie haben Schlafstörungen, leiden unter Depressionen und der ständig belastenden Erinnerung. Sie sagen, dass die Vergewaltigungen ihr Leben noch immer vollständig beeinflussen. Sie durchleben ihre eigenen Folterungen und Vergewaltigungen oder die von Familienmitgliedern oder die Ermordung anderer Menschen. „Kein Tag vergeht, an dem ich nicht daran denke, denn jeden Tag sehe ich die Schule, wohin man mich gebracht hat.“ (S.11)
Weitere Symptome sind Angstzustände oder Panikattacken, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Identitätsprobleme und Suizidversuche usw.
Viele Frauen haben psychsomatische Störungen wie Herzkrankheiten, Diabetes, usw. Mehr als 60% nehmen Psychopharmaka, 93,5% haben gynäkologische Probleme, ein gestörtes sexuelles Empfinden oder Probleme schwanger zu werden.
Soziale Folgen: 75 % berichten, dass die Vergewaltigungserfahrung ihr Leben mit den Ehemännern/ Männern beeinflussen. Sexualität wird oft komplett vermieden oder ist mit Ekel und Angst verbunden. Mehr als die Hälfte der Frauen sieht auch ihre Beziehung zu den Kindern beeinflusst.

Was gab die Kraft zum Weiterleben? Wie sehen die Bewältigungsmechanismen aus?

„Ich will nicht, dass die Vergewaltigung mich brandmarkt. Ich will nicht, dass sie das Zentrum meines Lebens ist.“
Hauptfaktor der Heilung ist das „Brechen des Schweigens“. Aber auch die Unterstützung von Ehemännern, Familie und die Beziehung zu ihren Kindern/ Enkeln und der ganzen Gemeinschaft spielen eine wichtige Rolle. Stabilisierend wirken außerdem eine Berufstätigkeit und Gespräche mit Nahestehenden wie Verwandten, Freunden. Viele Frauen nahmen die professionelle Unterstützung von Psychologen an oder von Hilfezentren wie Medica Zenica. Die Bestrafung der Kriegsverbrecher, eine Akzeptanz in der Gesellschaft als Kriegsopfer sowie die Lösung ihrer existentiellen Probleme sind weitere wichtige Faktoren bei der Bewältigung ihres Traumas.

Wie leben die Frauen heute? Wie geht die bosnische Gesellschaft, der Staat mit Überlebenden von sexualisierter Gewalt im Krieg heute um?

„Diese Frauen leben ein ruhiges Leben am Rande der Gesellschaft, verfolgt von ihren schmerzlichen Erinnerungen. Selten oder nie sprechen sie über ihre Nöte, Beschwerden, dennoch, sie vergessen sie niemals. Diese Frauen, die diese schlimmsten traumatischen Erlebnisse erfahren mussten, sind mit sehr wenigen Ausnahmen mittellos, unversorgt. Die meisten sind arbeitslos, kriegsbeschädigt nach ihren Erfahrungen. Ihre Ausbildung, Schule wurde abgebrochen und sie haben keine Möglichkeit, sich für einen anderen Beruf zu qualifizieren. Deshalb sind sie gewöhnlich von der Unterstützung durch andere abhängig. Viele Frauen haben keine entsprechende Gesundheitsfürsorge, psychologische oder soziale Unterstützung. Ihre häuslichen Probleme sind oft ungelöst. Sie bekommen keine Hilfe bei der Erziehung ihrer Kinder.“ (Zitat Broschüre „Frauen als Kriegsopfer“, S.10)
Wegen ihrer traumatischen Erlebnisse können sie nicht an ihre alten Wohnorte zurück, zumal viele Kriegsverbrecher frei sind und dort noch leben oder sogar in öffentlichen Institutionen arbeiten, bei der Polizei, der Justiz, in der Regierung.
Durch den Status als „zivile Kriegsopfer“ haben die Frauen das Recht auf eine monatliche Unterstützungszahlung von 250.- Euro durch den Staat, allerdings nur, wenn sie einen Antrag stellen oder ihre Vergewaltiger anzeigen und den Prozess gewinnen. Bis jetzt haben dies nur ca. 2000 Frauen gemacht, denn bei der Antragstellung, in den Prozessen müssen sie sich schambesetzten, unangenehmen Situationen, sogar Abwertungen und Angriffe gefallen lassen. Wenn sie als Zeugin in Sarajevo vor Gericht aussagen, sind sie im Unterschied zu den Angeklagten ohne rechtlichen Beistand.
Auch deshalb schweigt die Mehrheit der Frauen noch und bewahrt aber dadurch unwillentlich die Täter vor Strafverfolgung.

Der Verein Zena-Zrtva Rata, Women victims of war, Frauen als Kriegsopfer

Im Frühjahr 2003 gründeten Frauen, die Vergewaltigung und sexuellem Missbrauchs während des Krieges in Bosnien und Herzegowina überlebt haben, den Verein.
Bakira Hasecic besuchte 2003 das erste Mal nach dem Krieg mit drei Freundinnen ihre Heimatstadt Visegrad, wo sie 10 Jahre vorher vergewaltigt und verschleppt wurden oder geflohen sind: „Wir waren schockiert, denn wir erkannten drei unserer Peiniger wieder, einer war Polizist. Sie lachten uns ins Gesicht. Jetzt war klar: Wir müssen etwas tun.“
Seitdem organisieren sie Hilfe für die betroffenen Frauen, Kinder, Männer und Familien und spüren Täter und Kriegsverbrecher weltweit auf.
Mittlerweile hat der Verein über 5000 Mitglieder im In- und Ausland. Er ist unabhängig von Regierung und Parteien, multiethnisch und multinational. Seit 2006 arbeiten auch missbrauchte und vergewaltigte Männer mit.
Der Verein will seine Mitglieder zum normalen Leben zurückführen. „Wir brechen das Schweigen, das können wir nur gemeinsam.“ Regelmäßig organisieren die Frauen große Protestaktionen vor dem Gericht und begleiten die Strafprozesse. So geben sie sich gegenseitig Kraft. „Wenn wir die Täter im Gerichtssaal sehen, ist das ein Stück Gerechtigkeit.“
Sie unterstützen sich bei Gesundheitsversorgung, Arbeits- und Wohnungssuche. Im Büro werden alle bekannt gewordenen Vergewaltigungen, Geburten danach, Morde, etc. dokumentiert.
Der Verein kooperiert mit verschiedenen Organisationen und Einzelpersonen im In- und Ausland, zum Austausch von Informationen und Erfahrungen, aber auch um finanzielle Unterstützung für Projekte zu bekommen.
Das Ziel des Vereins ist es, die Erinnerung an das Geschehen wach zu halten, mutig darüber zu sprechen, die Täter zu verurteilen und für eine bessere Lage der vergewaltigten Frauen zu kämpfen, die die größten Opfer des Krieges sind. Deshalb fordern sie noch viel mehr Projekte, die den Frauen helfen sollen, Arbeit zu bekommen und mehr Projekte zur psychosozialen und gesundheitlichen Unterstützung der Frauen.

Psychosoziales Zentrum in Sarajevo

Das psychosoziale Zentrum entstand 2005 auf Initiative des deutschen Vereins „Unterstützung Osteuropa e.V.“ Bezahlte Leiterin der Nähschule in Sarajevo ist Senada Vehabovic,
Für 1 ½ Jahre können dort 6 Frauen einen Nähkurs absolvieren. Dann muss eine neue Gruppe starten. Bereits 120 Frauen waren schon dabei, aber bereits 80 neue Frauen warten auf freie Plätze. Neben dem Erlernen des Nähens und der Arbeit am Webstuhl sind die Gespräche, das Zusammensein wichtig, das gemeinsame Lachen und Weinen. Die Frauen können sich am besten selber helfen, da sie sich verstehen, einander zuhören und weil sie die gleichen schrecklichen Erfahrungen durchmachen mussten.
Die Frauen wollen am liebsten selbständig sein, eine Arbeit haben und Geld verdienen mit dem Verkauf der Sachen, die sie selbst herstellen.
Sie klagen, dass nur Deutsche ihnen helfen würden, aber die eigene Regierung seit 25 Jahren nichts unternimmt. Sie meinen, dass die Regierung die traumatisierten Frauen eigentlich doch viel mehr unterstützen müsste! Sie hätten große Schuld, dass sie sich nicht um die Frauen kümmern, die z.B. ihre ganze Familie verloren haben.
Eine Frau klagt seit 25 Jahren wegen ihrer Vergewaltigung. Jetzt ist sie zu alt für die Arbeit, erhält keine soziale Absicherung und keine Zuwendung, weil sie nicht im Lager war. Stirbt der Mann, erhalten die Frauen keine Witwenrente. Es bleibt die Suppenküche.
Wir hatten ihnen versprochen, uns nach einer overlock-Nähmaschine umzuschauen, damit sie noch mehr Dinge nähen können wie z.B. T-Shirts oder Kleider. Zwei Nähmaschinen konnten wir bereits dank Spenden nach Sarajevo schicken.

Zur Situation in Bosnien heute

Auch 22 Jahre nach dem Krieg sind die Folgen noch deutlich spürbar:
Die Wirtschaft liegt am Boden, es herrscht Korruption und Armut. Bosnien und Herzegowina  ist einer der ärmsten Staaten Europas mit einer Arbeitslosenquote von über 40%, bei den Jugendlichen sogar 60 – 70 %, 1/10  der Bevölkerung  (4,4 Mill.) hat täglich weniger als 5 Dollar. Sozialleistungen wie Arbeitslosenhilfe oder Sozialhilfe existieren nicht.
Im Februar 2014 gab es v.a. von Jugendlichen ohne Perspektive in 33 Städten Proteste gegen die Korruption und Arbeitslosigkeit, Arbeiter forderten ihren nicht bezahlten Lohn ein. Hunderte von Firmen wurden geschlossen, viele Fabriken vernichtet oder privatisiert. 2017 streikten Arbeiter, v.a. Frauen in einer Schuhfabrik, da sie seit über 10 Jahren keinen Lohn erhalten haben.
Das Dayton Abkommen von 1995 teilte das Land in einen bosniakisch–kroatischen Teil und einen serbischen Teil, die Republik Srpska mit eigener Verfassung, Gesetzen, Außenpolitik, usw. Beide Lager blockieren sich gegenseitig in wichtigen politischen Fragen. Serben, Kroaten und Bosniaken besuchen getrennte Schulen, haben unterschiedliche Schulbücher und statt sich auszusöhnen, wächst der Hass. Der staatlich verordnete Nationalismus ist nach wie vor vorherrschend.
Es gibt kaum Fortschritte in der juristischen und allgemeinen Aufarbeitung der Vergangenheit, ebenso wenig bei der Entschädigung der zivilen Kriegsopfer. Nur wenige Kriegsverbrecher wurden vom Kriegsverbrechertribunal in Den Haag verurteilt. Die allermeisten Täter leben weiter unbehelligt auf freiem Fuß. Im März 2016 verurteilte der Gerichtshof Radovan Karadzic, den damaligen Präsidenten der Republik Srpska, wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 40 Jahren Haft, andere aber wurden freigesprochen.
So wird eine ganze Generation von Überlebenden Not und Elend ausgesetzt, erhalten keine Wiedergutmachung. Mehr als 20 000 Betroffene von sexualisierter Gewalt warten auch nach 25 Jahren noch immer auf Gerechtigkeit und Akzeptanz in der Gesellschaft.
Doch immer mehr Frauen beginnen zu reden, brechen das Schweigen, damit sich endlich etwas verändert im Land. Sie wollen dafür geachtet werden, dass sie überlebt haben – nicht verachtet. „Wir brauchen Unterstützung, kein Mitleid!“
Es gibt in Bosnien und Herzegowina keine Frauenorganisation. Frauen werden diskriminiert und haben nicht die gleichen Rechte, werden schlecht oder gar nicht bezahlt und erhalten, wenn überhaupt nur ein kleine Rente. Die Frauen sehen die Notwendigkeit einer Frauenbewegung, da sich niemand für die Frauen interessiere, auch nicht die vielen Parteien im Parlament. Sie wollen gerne noch mehr über den Frauenverband Courage wissen, seine Ziele, Projekte und Prinzipien, weil sie darüber nachdenken, selbst einen Verein zu gründen, der die vielen Probleme der Frauen heute angeht. Man müsse endlich auch nach vorne schauen, nicht nur zurück.

Ausblick

Viele bosnischen Frauen hatten den Mut über ihre Erlebnisse zu sprechen, so dass 2011 erstmals in Den Haag beim Jugoslawien-Tribunal Vergewaltigung im Zusammenhang mit kriegerischen Aktionen als schwerer Verstoß gegen die Genfer Konventionen verurteilt und als Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft wurde.
Leider hat sich dadurch allein noch nichts geändert. In der Republik Kongo in Afrika werden pro Stunde 48 Frauen missbraucht, eine halbe Million Frauen wurden im Kongo bisher vergewaltigt. Weiterhin fanden Massenvergewaltigungen als Kriegswaffe gegen jesidische Frauen statt, die vom IS versklavt und missbraucht wurden, im Südsudan, an über 250 000 Frauen in Ruanda, Somalia, in Libyen, Sierra Leone, Syrien, im Irak, an den Rohingyas in Myanmar usw.
Ende Oktober 2017, trafen sich die gewählten Delegiertenfrauen aus Afrika, Lateinamerika, Asien, dem Nahen und Mittleren Osten und Europa, um die nächste Weltfrauenkonferenz 2021 vorzubereiten. Dort berichteten die Frauen aus Lateinamerika  von einer Millionendemonstration und nicht endenden Protesten von Frauen aller sozialen Schichten gegen die zunehmende Brutalität und Gewalt, sexuellen Missbrauch oder Vergewaltigung. Jeden Tag stirbt dort eine Frau.
Jeden Tag werden auf allen Kontinenten dieser Erde Millionen von Frauen unterdrückt, misshandelt, zwangsverheiratet, versklavt, ausgebeutet, vertrieben, vergewaltigt, ermordet – auch in Europa, auch in Deutschland!
Aber immer mehr Frauen wehren sich gegen die patriarchalen Strukturen und ihre Unterdrückung und organisieren sich, gehen auf die Straße und protestieren laut:„Nein heißt Nein“ lautet die Kampagne in Deutschland.
  • „Ni una Menos“ (Nicht eine weniger) heißt der Protest der Frauen in Lateinamerika, der Karibik und Spanien gegen die häusliche Gewalt mit Todesfolge, gegen die täglichen Frauenmorde.
  • Mit „Es ist nicht ok“ wehren sich Frauen im Libanon gegen ein verharmlosendes Vergewaltigungsgesetz.
  • In Polen gab es Massenproteste gegen die Verschärfung des Abtreibungsgesetzes, in Indien gegen fortwährende Vergewaltigungen.
  • „#MeToo“ bringt die allgegenwärtige, alltägliche sexualisierte Gewalt ans Tageslicht. In den USA, in Europa gibt es öffentliche Aktionen gegen sexuelle Belästigung und Missbrauch.
Es muss Schluss sein mit der sexualisierten Gewalt – nicht nur in bewaffneten Konflikten!
Die Täter dieser oft brutalen Verbrechen müssen zur Verantwortung gezogen werden!
Die Opfer und ihre Familien müssen umfassend unterstützt und betreut werden!


Unsere Reise zu den bosnischen Frauen in Sarajevo und ihrem Verband war beeindruckend, traurig und sehr herzlich. Eine wertvolle Freundschaft ist entstanden.
Die Bochumer Ortsgruppe des Frauenverbandes Courage wird den Kontakt zu den mutigen Frauen in Sarajevo weiterhin aufrecht erhalten und auch Spenden zur Unterstützung ihrer Arbeit sammeln.
 
Frauenverband Courage