22. Juli 2026
Solidaritätserklärung des Bundesvorstands von Courage
Liebe Ipek,
wir als Frauenverband Courage aus Deutschland übermitteln dir und deinen Genossinnen unsere volle Solidarität.
Mit großer Bestürzung haben wir erfahren, dass ihr im Zusammenhang mit dem NATO-Gipfel in der Türkei festgenommen worden seid. Dieses Vorgehen der türkischen Behörden gegen fortschrittliche Frauen, die für ihre Rechte und Freiheiten eintreten, verurteilen wir aufs Schärfste.
Seit der Gründung unseres Frauenverbands setzen wir uns für die Befreiung der Frau und für eine Gesellschaft ohne Unterdrückung und Ausbeutung ein. Dieser Kampf verbindet Frauen weltweit. Ihr seid Teil dieses internationalen Einsatzes für Gleichberechtigung, Freiheit und Selbstbestimmung.
Wir werden eure Situation öffentlich bekannt machen und in unseren Medien über euren Fall berichten, um Solidarität und Unterstützung zu organisieren.
Besonders empörend ist, dass die Türkei nach dem NATO-Gipfel als sogenanntes „sicheres Herkunftsland“ eingestuft wurde. Damit wird der Eindruck erweckt, dass Menschen- und Frauenrechte dort gewährleistet seien und politisch Verfolgte keinen Schutz mehr benötigten. Aus unserer Sicht steht diese Einschätzung im Widerspruch zu den Erfahrungen vieler Menschen, die politische Verfolgung und Unterdrückung erleben. Wir sehen darin eine politische Entscheidung, die im Zusammenhang mit den Interessen imperialistischer Staaten steht.
Wir wünschen dir und deinen Genossinnen viel Kraft, Mut und Durchhaltevermögen.
Seid sicher, dass ihr mit eurem Kampf nicht allein seid.
Mit solidarischen Grüßen
Bundesvorstand des Frauenverbands Courage
Zum Hintergrund
İpek Bozkurt ist Aktivistin der Kommission der Arbeiterinnen und Arbeitnehmerinnen und Vertreterin der revolutionären Frauenbewegung in der Türkei. Sie wurde im Vorfeld des NATO-Gipfels und mit weiteren kämpferischen Frauen festgenommen und im Frauengefängnis von Bakırköy in Istanbul inhaftiert. Unter ihnen ist auch Songül Yücel, die Koordinatorin der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen für den Nahen Osten.
In einem Brief vom 7. Juli schreibt Ipek aus dem Gefängnis:
„Sie wollen, dass ihnen bei der Umsetzung ihrer Politik, die den Arbeitern, den Erwerbstätigen und den unterdrückten Völkern nichts als Tod und Ausbeutung bringt, kein Hindernis im Weg steht. Aus diesem Grund verstärken sie den Druck und die Unterdrückung. (…)
Als wir anlässlich des NATO-Gipfels verhaftet wurden, wurden uns als Begründung unsere Aktionen und Veranstaltungen gegen die NATO und imperialistische Kriege, die Kundgebung anlässlich des 8. März, des Internationalen Tages der arbeitenden Frauen, sowie die Aktionen gegen die Rechtsverletzungen, denen Arbeiterinnen bei Dardanel ausgesetzt waren, als „Straftaten“ vorgehalten.
An dieser Stelle bekräftigen wir erneut: Was auch immer sie tun mögen – wir werden uns weiterhin gegen ihre schmutzigen Kriegspolitiken und die NATO aussprechen und den Kampf der Arbeiterinnen und Frauen für Gleichberechtigung und Freiheit weiter vorantreiben.“
Vollständiger Brief von Ipek
Protesterklärung der Europakoordinatorinnen der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen
