Folgen der Corona Krise und Forderungen für Frauen und Ihre Familien

Die Situation der Kitas in Reutlingen:
Die Standards sollen 1 Jahr lang weiter abgesenkt werden; d.h. der Betreuungsschlüssel darf um bis zu 20% unterschritten werden. Das ist nicht akzeptabel!
Es sind etliche Plätze nicht belegt.
Manche Eltern sind skeptisch, ob die Hygiene-Bedingungen eingehalten werden können.
Gleichzeitig gibt es lange Wartelisten!
Tagesmütterplätze wurden bisher von der Stadt Reutlingen subventioniert, da Betreuungsplätze fehlen. Jetzt sind im Zuge der Corona–Sparmaßnahmen die Zuschüsse für die Betreuung von Schulkindern gestrichen worden.
Aber wenn Frauen am Arbeitsmarkt gebraucht werden gibt es Kita-Plätze! Z.B. für Krankenhausbeschäftigte in Reutlingen und Tübingen.

Folgende Forderungen haben wir formuliert:

  • Personalschlüssel in Kitas, Kigas und Schulen erhöhen. Keine „vorbeugende“ Entlassung von Lehramtsreferendaren (Erläuterung: Referendare werden in Baden-Württemberg nach der Abschlussprüfung entlassen, aber auch alle angestellten Lehrer*innen in den Sommerferien und danach evtl. wieder eingestellt.) Starke Überalterung des Lehrpersonals (sehr viele sind „Risikogruppe“), mehr Einstellung von jungen Lehrer*innen.
  • Notbetreuung ausweiten auf alle Eltern, deren Arbeitsplatz sonst in Gefahr ist.
  • Mehr und regelmäßig testen, vor allem in Kitas, Kindergärten, Schulen, Pflegeeinrichtungen und Kliniken!
  • Grundprobleme müssen gelöst werden wie Profitorientierung von Gesundheits- und Bildungswesen, aber auch Umweltzerstörung, ökologische Landwirtschaft subventionieren, Erzeugerpreise erhöhen.
  • Digitalisierung soll Menschen entlasten und nicht zur Rationalisierung von Arbeitsplätzen genutzt werden, nur damit die Arbeitskraft der Frauen besser ausgenutzt werden kann nach dem Motto „Vereinbarkeit von Familie und Beruf‘“. Vorsicht ist auch in Bezug auf die Gefahr von Isolierung geboten. Wenn jede daheim arbeitet, kann der Widerstand bei Missständen schwerer organisiert werden. Das Recht auf Homeoffice darf nicht zum Zwang werden.
  • Arbeitszeit reduzieren bei vollem Lohnausgleich, u.a. 30 Std./Woche.
  • Reproduktive Arbeit bzw. Sorgearbeit soll genauso gesellschaftlich beachtet und mitorganisiert werden wie produktive Arbeit. Nachkommen hervorzubringen, die extrem viel und lange Betreuung brauchen, ist genauso eine grundlegende menschliche Eigenschaft wie sich durch Herstellung von Dingen auszudrücken.
  • Keine weitere Schließung von Krankenhäusern, vor allem von Geburtshilfekliniken – entgegen der immer noch aktuelle Empfehlung der Bertelsmann Stiftung.
  • Personal in Krankenhäusern aufstocken, ordentlich bezahlen und gesundheitlich schützen. Verlässliche Dienstpläne.
    Das Gleiche gilt für das Personal in Pflegeeinrichtungen und Erziehungsberufen.
  • Die Behörden sollen für transparente Information über die Wichtigkeit von Hygieneschutzmaßnahmen vor allem in geschlossenen Räumen und im ÖPNV sorgen und dafür, dass die Hygienemaßnahmen, wie Abstandhalten und
    Hygieneschutzkleidung, konsequent in den Betrieben umgesetzt werden.
  • Schutzausrichtungen müssen vom Staat in genügender Menge vorgehalten werden. (In Staatsbetrieben hergestellt?). Es dürfen keine Wucherpreise dafür verlangt werden.
  • Corona-Zuschüsse sollen nach Bedürftigkeit verteilt werden. Zum Beispiel Zuschüsse für Verdienstausfall sollen nicht an die Bestverdienenden gezahlt werden, sondern an die Familien und Frauen, die wenig verdienen, arbeitslos oder Kurzarbeit bei geringem Verdienst erhalten, Alleinerziehende.

Forderung an uns selbst:

  • Uns mehr zutrauen, dass wir mit Krisen umgehen können!
  • Solidarisch bleiben!
  • Kreativität entwickeln.

Das soll aber nicht nur wie üblich für Frauen gelten!

Mensch und Umwelt vor Profit!