10 € gesetzlicher Mindestlohn Drucken
... damit wir uns auch morgen, nicht nur das Brot, sondern die Rosen dazu leisten können!
Am 16. März stand dieses Thema bei einer Bildungsveranstaltung in Verbindung mit einem Brunch im Courage-Zentrum Mannheim auf dem Programm. Ich nahm als Referentin des Bundesvorstandes daran teil. Im Referat wurden Thesen aus der Courage-Broschüre „Gesetzlicher Mindestlohn – für  Frauen besonders von Interesse“ näher erläutert. Steigende Arbeitslosigkeit, Einführung von Hartz IV und die Zunahme von Billiglohnjobs, drücken gewaltig auf die Löhne. Gleichzeitig kassieren Manager Gehälter in zweistelliger Millionenhöhe. Die Gewinne der Unternehmen steigen ins Unermessliche und sie scheuen sich nicht, im gleichen Atemzug Massenentlassungen anzukündigen. Wer Hartz IV erhält muss jede „nicht sittenwidrige Arbeit“, bis zu unter 30% des ortsüblichen Lohnes der betreffenden Branche annehmen...
Warum ist gerade für Frauen der Mindestlohn von 10 € so wichtig?
In den „frauentypischen“ Berufen liegen die meisten Tariflöhne unterhalb der Armutsgrenze, bei knapp 1000 €. Auch in vielen akademischen Berufen verdienen Frauen weniger als ihre männlichen Kollegen bei der Ausführung derselben Arbeit. Natürlich gibt es Ausnahmen; doch je höher eine Stelle dotiert ist, umso weniger Frauen sind dort anzutreffen. In den Bereichen der Teilzeitarbeit und Minijobs ist das Niedriglohnrisiko ungleich größer als bei Vollzeitbeschäftigung. Wen wundert es also, dass bei LIDL, im Krankenhaus oder Büro hauptsächlich Frauen beschäftigt sind?
Wir kämen bei der Durchsetzung unserer Forderung vom gesetzlichen Mindestlohn unserem Ziel von „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ etwas näher.
Im Weiteren sind vor allem Familien mit Kindern und Alleinerziehende, hauptsächlich Frauen, derzeit akut von Armut betroffen. Von 15 Millionen Kindern in Deutschland lebt demnach jedes sechste Kind in Armut. Fast in jeder Stadt gibt es Initiativen „für ein kostenloses Schulmittagessen“, weil den Eltern das Geld dazu fehlt. Selbst nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef wächst die Armut in Deutschland stärker als in den meisten anderen Industriestaaten. Außerdem würden durch einen einheitlichen gesetzlichen Mindestlohn immer noch bestehende Lohnunterschiede, zwischen Ost- und Westdeutschland, weitgehend behoben.
Bei der Diskussion…ging es heiß her. Es wurde in die Runde geworfen, dass den Leuten „egal sei woher das Geld komme, Hauptsache die Kasse stimmt“. „Das ist hinterhältige Stimmungsmache der Wirtschaftsverbände“, so eine Rentnerin. Weitere Meinungen waren: „Man muss doch jeden Cent angeben, den man sich auf die Seite gelegt, oder den der Enkel zur Kommunion bekommen hat.“ Von der Schikane der ständigen Antragstellerei ganz abgesehen. Die Unternehmen machen Gewinne und davon sollen sie bitteschön die Löhne zahlen!
... Eine Frage war: „Führt ein gesetzlicher Mindestlohnes nicht zur Vernichtung von Arbeitsplätzen?“ „Da doch vor allem Klein- und Mittelbetriebe diese hohen Kosten nicht tragen können, werden immer mehr Betriebe abwandern“, gab eine Kollegin zu bedenken. Aktuell ist es so, dass jeder Betrieb einen maximalen Gewinn erwirtschaften muss und da sind die Löhne ein Kostenfaktor neben anderen. Wenn nun aber jeder Unternehmer 10 € Mindestlohn bezahlt, ist zumindest das momentane Lohndumping ausgeschaltet, das vor allem Kleinbetriebe in den Ruin treibt. Ob Betriebe abwandern, hängt von vielen Faktoren ab, wie wir bei NOKIA sehen. Immer mehr Staaten sind zu Dienstleistern von Betrieben geworden, indem sie die ganze Infrastruktur für die Ansiedlung neuer Fabriken kostenlos anbieten. Mittelfristig gesehen kann man aber auf Deutschland bezogen davon ausgehen, dass die Menschen, wenn sie wieder mehr Geld haben, dieses auch ausgeben; d.h. mehr Waren produziert werden müssen. Das begünstigt die Schaffung von Arbeitsplätzen.
Gudrun Günter, Bundesvorstand