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Erfahrungsbericht mit dem „Fonds sexueller Missbrauch“
Der Fonds sexueller Missbrauch ist ein ergänzendes Hilfesystem für Opfer sexuellen (familiären) Kindesmissbrauchs. Er ist eine Einrichtung der Bundesregierung als Hilfesystem, wenn die Krankenkassen nicht mehr bezahlen und das Trauma noch nicht abschließend geheilt werden konnte.
Durch Zufall und Eigeninitiative habe ich von diesem Fonds 2016 erfahren, nachdem die Krankenkasse schon nach 50 Stunden trotz Widerspruchsverfahren weitere Therapien abgelehnt hat. Ihre Aussage war, eine Selbsthilfegruppe würde für mich ausreichen.

Am 26.4.2016 reichte ich schriftlich den 13-seitigen Antrag ein mit Fragestellungen, wer die Täter waren, wie sie zu meiner Familie standen, was diese genau getan, ob sie mich gefilmt ect. und was ich als weitere Therapiemaßnahmen mir wünsche.
Super dachte ich, doch nicht alles verloren, ein Licht am Horizont. Doch die Seiten alleine waren ein Horror. Geübt, Gefühle abzuspalten, füllte ich alle Seiten aus. Da ich mich im Vorfeld mit dem Thema beschäftigt hatte, konnte ich genau angeben, was ich benötige bzw. beantragen möchte.
Ich bekam ein Eingangsschreiben nach ca. 6 Wochen, vermerkt mit einer Eingangsnummer und der Aufforderung, nochmals weitere Details zum kindlichen Missbrauch und den Tätern schriftlich zu fixieren. Es vermittelte mir spontan, sie glauben dir nicht, anscheinend war der Missbrauch nicht hart genug, die Jahre nicht ausreichend. Welcher Mensch kann sich die Arroganz herausnehmen und darüber entscheiden, was ein kleines Mädchen auszuhalten hat!
Sage und schreibe habe ich im Juli 2018 einen erstmaligen Bescheid bekommen. Yogastunden wollte der Fonds sofort übernehmen, für die 2 weiteren Therapien sollte ich 2 qualifizierte Fachgutachten in 8 Wochen erneut einreichen. Gleichzeitig enthielt der vorläufige Bescheid, dass 2019 die beantragten Gelder für meine Beantragung auslaufen werden. Damit die Bearbeitung ect. schneller von Statten gehen kann, wurde mir die Entanonymisierung meines Antrages empfohlen und ein Aufhebungsschreiben lag gleich bei.
Auch diese Auflage habe ich tatsächlich für mehr als 400 Euro, viel Eigeninitiative und erworbenen Fachkenntnissen bewältigt. Der Entanonymisierung habe ich nach genauer Überlegung zugestimmt, da ich nicht noch länger warten wollte. Nun ja, mit weit mehr als 5.000 Euro Eigenkapital habe ich selbst weitergearbeitet und warte bis heute auf einen positiven Bescheid. Auch mein Brief an den Fonds 1/2019 hatte für mich nur ein müdes Lächeln und „ich soll Verständnis haben“, dass so viele Anträge (mehr als 10.000) eingegangen sind. Laut Frau-TV waren es im Jahre 2016 ca. 8.000 Anträge, wobei real 85 Anträge abschließend bearbeitet wurden. Mein Antrag aus 2016 ist bis 7/2019 nicht abschließend bearbeitet. Ich warte bis heute!
Ich schreibe diesen Erfahrungsbericht, da ich es nicht nur als Skandal, sondern als pure Heuchelei der Bundesregierung ansehe, die sich im Internet mit diesem Hilfe-Fonds und ihrem sozialem Engangement brüstet. Der nächste Skandal ist die Haltung und Gesetzgebung der gesetzlichen Krankenkassen, da die Stunden meist auf 100 Std. begrenzt und danach kann die Betroffene sehen, wie sie mit dem Leben zurechtkommt. Wer posttraumatische Symptome hat, ist immer in irgendeiner Weise lebenseingeschränkt, evtl. nicht arbeitsfähig. Wenn alles gut geht, funktionsfähig und in manchem Lebensbereich auch sehr erfolgreich. Hier gibt es kein Schema.
Ein Teil der Finsternis ist jedoch gespeichert und verändert, gerade bei Kindern, das Hirnwachstum, die Konzentrationsfähigkeit, Sprache, Beziehungen zu Menschen, insbesondere Männern usw. bis zu einem veränderten Hormon- und Immunsystem. Die abgespeicherte Energie der Todesangst, Hilflosigkeit ist ein ständiger Feuerofen und du läufst seit deiner Kindheit auf einem Erregungsniveau, Gefühlen und Werteverdrehung, was deinen Körper und Geist zerstören kann.
Die menschenverachtende Sprache und Vorgehensweise der Krankenkasse nach Gesetzbuch ist ein politischer Skandal und nur eine Seite dieses kapitalistischen Gesundheitssystem. Allerdings muss man auch sehen, dass durch die zunehmenden psychischen Erkrankungen, auch Traumata mittlerweile Anerkennung finden. Allerdings stehen viel zu wenig gut ausgebildete Therapeuten zur Verfügung.
Ich schreibe diesen Bericht, damit auch in diesem Bereich mehr Informationen und auch Möglichkeiten für Betroffene öffentlich werden. Gerade die zu uns kommenden Migranten und Migrantinnen sind oft traumatisiert. Hilfe muss also gezielt erfolgen, dazu benötigen wir alle mehr Wissen, Einfühlungsvermögen und Unterstützung.
Hilfreich ist, auf dem Weg der Heilung und der eigenen Selbstbefreiung, organisiert zu arbeiten, das solidarische Miteinander und die wichtige moralische Unterstützung. Diesen Weg alleine zu beschreiten, was ich getan habe, ist nach meinen Erfahrungen möglich, aber weit beschwerlicher, denn wer gemeinsam kämpft, kann mit den erlebten lebensbedrohlichen Erfahrungen sich besser heilen.
Dem gesellschaftlichen Kampf gegen sexuelle Gewalt und sexuelle Ausbeutung besonders gegenüber Kindern muss in unserer Gesellschaft mehr Beachtung geschenkt und konsequent entgegen getreten werden.
Couragierte Grüße, eine Betroffene

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