Home Arbeitsgemeinschaften Bergarbeiterfrauen-AG "Wir wollen uns mit diesen Lebensverhältnissen nicht abfinden" - Frauenforum auf der 2. Internationalen Bergarbeiterkonferenz
"Wir wollen uns mit diesen Lebensverhältnissen nicht abfinden" - Frauenforum auf der 2. Internationalen Bergarbeiterkonferenz PDF Drucken E-Mail
Am 2.2.17 hat in Ramagundam in Indien die 2. Internationale Bergarbeiterkonferenz begonnen. Frauen der Bergarbeiterfrauen-AG im Frauenverband Courage nehmen teil und haben verantwortlich das Forum 'Lebensverhältnisse, Frauen und Familien' vorbereitet, das mit vielen anderen Foren zu wichtigen Fragen der Bergleute und ihrer Familien am Sonntag stattfinden wird.

Die Konferenz wird über den Vorschlag für ein  internationales Kampfprogramm beschließen, in dem es unter Punkt 7 heißt:
„Wir stehen für die Gleichberechtigung der Frauen; sie werden schlechter bezahlt und durch ungleiche Bezahlung diskriminiert. Wir stellen uns gegen Sexismus, sexuellen Mißbrauch und Gewalt. Gegen die Abwälzung der Lasten für die Pflege und Erziehung ihrer Kinder und die Reproduktion der Arbeitskraft auf die Familien. Die Frauen und Familien müssen bei Krankheit, Verletzung bzw. Tod eines Familienmitglieds eine entsprechende Entschädigung bzw. Unterstützung haben. Wir kämpfen gegen alles Formen der besonderen Ausbeutung und Unterdrückung der Frau und unterstützen die internationale kämpferische Frauenbewegung für die Befreiung der Frau.“
Im Forum wollen sich die Frauen über die Lebenssituation der Bergarbeiterfrauen und besonders der Bergarbeiterfrauen austauschen, sich besser kennen und verstehen lernen.
Das ist eine wichtige Grundlage, um sich gemeinsam für eine lebenswerte Zukunft einsetzen zu können. So können Freundschaften entstehen und bleibende Verbindungen zwischen Bergarbeiterfrauen, den Frauen der Welt und der internationalen Bergarbeiterbewegung entwickelt werden.
Für die Vorbereitung des Forums haben die Frauen der BergarbeiterfrauenAG Fragebögen international verschickt und damit in den eigenen Städten Hausbesuche bei Bergarbeiterfrauen durchgeführt.

Für einen Einleitungsbeitrag auf dem Forum haben wir einiges aus den Berichten zusammengefasst:

„Aus den Länderberichten und so wie wir uns bisher unterhalten konnten, haben wir gelernt:
Die Bergbaukonzerne bezahlen uns nicht nur schlecht, sie zerstören unsere Gesundheit und unsere Familien.
Aus Uganda hören wir von unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Bergarbeiter und auch Bergarbeiterinnen beim Schürfen von Salz aus dem Katwe-See: stundenlang steht man hüft- oder brusttief in gifthaltigem Wasser, hält den Atem an, während man sich abmüht, eine weitere Schaufel mit stinkendem, schwarzen Schlamm heraus zu hieven. Wegen der Armut müssen auch die Kinder mitarbeiten – auch ihre Körper werden mit giftigen Chemikalien durchtränkt. Frauen schieben Mehl als Barriere gegen das  toxische Wasser in ihre Vaginas. Dies hat wenig Wirkung und so sind sexuelle Gesundheitsprobleme unter den Arbeitern von Katwe weit verbreitet. Familien sind auseinander gebrochen, weil ihre Liebsten nicht mehr 'funktionieren'.
Solche Arbeits- und Lebensbedingungen machen  uns und unsere Familien kaputt!!! Ich bin sicher, dass durch die Minen überall auf der Welt , die Gesundheit der Bergarbeiter, aber auch der Familien zerstört wird. Dagegen können wir uns nur gemeinsam wehren. Viele Probleme, die wir in den Familien haben, kommen doch aus diesen unsäglichen Arbeitsbedingungen.
Die Zechenbosse zahlen die Löhne nicht mehr wie im Kongo,in der Ukraine und dem Iran und wir Frauen wissen nicht mehr was wir unseren Kindern kochen sollen, wie das Schulgeld zu bezahlen ist. Usw.
Bei uns in Deutschland wird von sicheren und umweltfreundlichen Bergwerken gesprochen, in Wirklichkeit ist die RAG dabei, in einer ganzen Region das Trinkwasser zu verseuchen.  Eine Bergarbeiterfrau hat uns geschrieben: “bei uns im Ruhrgebiet sind 1,6 Millionen Tonnen Giftmüll Unter Tage eingelagert... mein Mann ist Umweltkämpfer und hat in Deutschland als Kumpel öffentlich seinen Arbeitgeber angeklagt wegen seiner Umweltverbrechen. Deshalb wurde er gemaßregelt und darf nicht mehr bei der Ruhrkohle AG arbeiten.“
Im handwerklichen Goldbergbau in Südafrika, den Philippinen und weiteren Ländern arbeiten vor allem Frauen und Kinder unter gefährlichsten und gesundheitsschädlichen Bedingungen, zum Beispiel mit Quecksilber; Kinder leiden unter Ängsten, wenn sie alleine in die enge, dunkle Mine hinein klettern und schürfen müssen. Wir können es nicht mehr zulassen, dass unsere Kinder vergiftet werden nur weil die Konzerne nicht genug Gewinne machen können und uns vormachen, es ginge halt nicht anders. Deshalb müssen wir Bergarbeiterfrauen und Bergarbeiter ebenso Umweltkämpferinnen werden. Wir müssen den Menschen helfen, zu verstehen, wie diese Gifte uns krank machen.
Dass wir uns heute hier über diese schwierigen und unmenschlichen Lebensbedingungen austauschen, sie gemeinsam anprangern und über unsere Visionen sprechen können, ist ein großer Schritt vorwärts.  Wir können so erkennen, dass die Probleme bei aller Unterschiedlichkeit doch immer die gleichen Ursachen haben: für die internationalen Bergwerksmonopole und multinationalen Konzerne zählt nur ihr Profit und dem ordnen sie das gesamte Leben unter...
Wir wollen uns mit diesen Lebensverhältnissen nicht abfinden!
Die 22 Millionen Bergarbeiter und Bergarbeiterinnen der Welt fördern die Schätze der Erde unter schwierigsten Bedingungen. Sie arbeiten und kämpfen hart – sie bilden eine starke Kraft! Wenn wir Frauen im Kampf an ihrer Seite stehen, haben sie schon ein Hindernis überwunden. Und welch starke Kraft sind wir Bergarbeiterfrauen, wenn wir uns organisieren und uns gemeinsam mit den Weltfrauen und der Arbeiterbewegung  für eine bessere Welt einsetzen!  Wir sind eine wichtige Kraft, den Kampf der Bergleute und den Kampf der Frauen zusammen zu bringen.“

In der Bergarbeiterfrauen-AG haben wir besprochen, dass wir berichten wollen, wie wichtig es ist, dass Frau sich organisiert, dass wir  unseren Frauenverband mit seinen Grundsätzen und Trümpfen vorstellen wollen. Wir wollen die Bergarbeiterfrauen für die Weltfrauenbewegung und die beschlossenen gemeinsamen Kampftage gewinnen und uns vernetzen.
  • Machen wir diese Kampftage auch zu Kampftagen der internationalen Bergarbeiterfrauenbewegung.
  • Koordinieren wir unsere Kämpfe und machen sie weltweit bekannt! Erhöhen wir das Bewusstsein von Männern und Frauen gegen patriarchaliche Strukturen und Denkweisen!
  • Die Frauen der Welt werden die höchsten Berge erobern! Wir werden eine Gesellschaft aufbauen, in der Frauen nicht diskriminiert, ausgebeutet und unterdrückt werden! Und die Ausbeutung von Mensch und Natur abgeschafft ist. Glück Auf!
Wir sind alle sehr gespannt auf das Forum und die Ergebnisse der Konferenz und senden herzlichste couragierte Grüße nach Indien!

Bergarbeiterfrauen-AG in Courage und Courage Herne

Ständig aktuelle Berichte zur Konferenz unter www.minersconference.org
 
Frauenverband Courage