Home Aktuelles Skandalöser Angriff auf Frauen der Organisation REPAK aus Erbil/Südkurdistan – wir protestieren energisch!

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Courage - der Name soll Programm sein und das besondere Profil des Verbandes kennzeichnen: überparteilich und international, solidarisch und demokratisch – ein Zusammenschluss von Frauen jeden Alters und jeder Tätigkeit. 
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Skandalöser Angriff auf Frauen der Organisation REPAK aus Erbil/Südkurdistan – wir protestieren energisch! PDF Drucken E-Mail
altAm 5.6. wurde im kurdischen Erbil das Büro der Organisation REPAK, Kurdisches Zentrum für Frauenangelegenheiten, von Sicherheitskräften der Autonomen Region Kurdistan (KRG) durchsucht und mehrere Mitarbeiterinnen, darunter Meral Cicek, aus der Stadt ausgewiesen. Meral ist allen Teilnehmerinnen der Weltfrauenkonferenz im Gedächtnis, die als Vertreterin der kurdischen Delegation prophezeit: "Erst wenn die Berge Kurdistans, die Täler Lateinamerikas, die Wüsten und Dörfer Afrikas und die Städte Europas die Stimme der Weltfrauen erhören, dann haben wir Frauen die höchsten Berge erklommen."
Meral Cicek ist Koordinatorin der Weltfrauenkonferenz für die Region des Mittleren Ostens. Sie und zwei Mitstreiterinnen wurden mitgenommen, ihnen wurde nur nach heftigen Protesten gestattet, einige persönliche Gegenstände mitzunehmen und sie wurden einfach ausgesetzt mit dem Verbot, die Stadt Erbil nochmal zu betreten. Obwohl Meral deutsche Staatsangehörige ist, konnte sie die Botschaft nicht informieren.
Dieses ungeheuerliche Vorgehen richtet sich gegen die Erfolge der kurdischen Frauenbewegung und der Organisation REPAK im Kampf gegen den IS, im Kampf gegen patriarchale Strukturen und um befreite Frauen in einem befreiten Kurdistan. Ihr Zusammenschluss über Religions- und Nationalitätsgrenzen soll behindert werden. REPAK wird sich nicht einschüchtern lassen, REPAK und besonders die drei deportierten Freundinnen brauchen die Solidarität der Frauenbewegung weltweit.

Wir Frauen vom Frauenverband Courage protestieren entschieden gegen dieses ungeheuerliche und undemokratische Vorgehen gegen unsere kurdischen Freundinnen und AktivistInnen!
Das ist in keinem Fall zu akzeptieren!
Wir fordern die umgehende Aufhebung des Einreiseverbots der REPAK-Repräsentantinnen, die Wiedereröffnung ihres Büros und die Herausgabe des beschlagnahmten Materials!
Machen wir unseren Protest öffentlich! Informiert alle Weltfrauen! Schreibt an die unten angegebenen Adressen eine Protestresolution!

Hier ein Vorschlag:
"Wir protestieren entschieden gegen die rechtlich völlig unhaltbare Deportation der Freundinnen von REPAK  am 5.Juni 2016 und fordern die sofortige Zurücknahme aller Zwangsmaßnahmen, insbesondere dem Verbot, die Stadt Erbil zu betreten. Das Büro von REPAK hat wichtige Arbeit geleistet, um die kurdischen Frauen in allen vier Teilen Kurdistans zu vernetzen und ist eine wichtige Anlaufstelle für den erfolgreichen Kampf gegen den IS.
Wir Weltfrauen werden diesen Skandal in der ganzen Welt bekannt machen!"

"We protest in the strongest possible way against the deportation of the women friends of REPAK (Kurdish Women Relation Office) on 5 June 2016, as it was carried out on no legal grounds whatsoever/ as it was not permissible in law/ as it is unlawful.
We call for the immediate stop of all coercive measures, most of all the prohibition of entering the city of Erbil. The REPAK office has attributed greatly to form a network for the Kurdish women in the four parts of Kurdistan and thus has become an important centre for the successful battle against the so-called IS.
We, the World Women, will globally publicize this scandalous act!"


Adressen für Protestmails:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können. (President of Kurdish Region)
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können. (Department of Foreign Relations)
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können. (Hemin Hawrami, Responsible for KDP Foreign Relations)
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können. (Special adviser of Prime Minister)

Presseerklärung von REPAK (englisch)

Protesterklärung der Couragegruppe Recklinghausen

In einem Interview mit der Jungen Welt vom 7. Juni 2016 geht Meral Cicek, Vorsitzende des Kurdischen Zentrums für Frauenangelegenheiten in Erbil, auf die Hintergründe für den Angruff ein:
"Momentan herrscht in Südkurdistan eine strukturelle Krise. Diese wird aufgrund der finanziellen Situation als Wirtschaftskrise oder aufgrund der illegitimen Weiterausübung des Präsidentenamts durch Masud Barsani als politische Krise bezeichnet. Jedoch reicht sie sehr viel tiefer, und im Zentrum befindet sich die Demokratische Partei Kurdistans, KDP, die jegliche Bemühungen um eine Demokratisierung und nationale Einheit blockiert. Zugleich repräsentiert die KDP, die Erbil kontrolliert, eine sehr patriarchale, rückständige Geisteshaltung, welche Frauen aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens ausschließt. Da Frauen in Kurdistan eine Vorreiterrolle im demokratischen Wandel einnehmen, werden sie einer besonderen Verfolgung ausgesetzt. In den letzten Monaten sind viele Aktivistinnen verhaftet worden. Indem sie uns aus ihrem 'Hoheitsgebiet' ausweisen, soll ein gesellschaftlicher und politischer Wandel verhindert werden. "
Sie bekräftigt:
"REPAK lässt sich natürlich nicht einschüchtern. Wir werden uns bei unserer Arbeit sicherlich keine Grenzen auferlegen lassen. Vor kurzem war der 100. Jahrestag des Sykes-Picot-Abkommens, das die Grundlage für die Aufteilung Kurdistans durch imperialistische Kräfte darstellt. Die KDP sagt einerseits, diese unnatürlichen Grenzen hätten keine Bedeutung mehr, versucht aber zugleich um ihr 'Machtgebiet' herum neue Grenzen zu ziehen. Diese erkennen wir nicht an. Wir werden unseren Kampf für nationale Einheit und die Befreiung der Frau überall in Kurdistan fortführen. "


 
Frauenverband Courage