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Bericht über Besuche in einer Gelsenkirchner Flüchtlingsunterkunft PDF Drucken E-Mail
Die Bundesdelegiertenversammlung von Courage beschloss, sich für eine couragierte Willkommenskultur einzusetzen. Mit vier Bundesvorstandsfrauen aus NRW besuchten wir eine  Flüchtlingsunterkunft in Gelsenkirchen. Wir wollten vor allem die Bewohner kennenlernen und rauskriegen, wie es ihnen geht und welche Hilfe sie benötigen.
Unsere Zusammensetzung war prima dafür: Wir sprachen arabisch, türkisch, französisch, deutsch und etwas englisch und brachten Erfahrungen mit von der Arbeit beim Rechtsanwalt und von der eigenen Flucht und dem Umgang mit Bürokratie.
Wir wurden sehr freundlich und interessiert begrüßt. Allerdings mussten wir uns etwas durchsetzen, dass wir auch gerade mit den Frauen sprechen wollten. Die hielten sich zunächst im Hintergrund. Alle sagten: „Am wichtigsten ist uns, dass wir deutsch lernen!“ Wenn sie sich selber verständigen können, können sie viele ihrer Fragen selber lösen, können Arbeit und Wohnung suchen und statt untätig warten zu müssen. Eine Familie erzählte z.B., dass ein Kinderarzt sich weigerte, die Kinder zu untersuchen, wenn die Familie keinen Übersetzer mitbringt. Wir berieten, übersetzen Briefe vom Kindergarten und Behörden, halfen beim Ausfüllen und nahmen ihre Anliegen mit. Viele baten uns ganz herzlich herein, brachten Wasser, Obst und Kaffee.
Eine Woche später kamen wir wieder mit unseren Ergebnissen: Anrecht auf einen „Integrationskurs“, der zu einem großen Teil aus Deutschlernen besteht, haben nur anerkannte Flüchtlinge. Ansonsten kosten die Kurse viel Geld. Es gibt aber Städte, die angesichts der Situation kostenlose Deutschkurse anbieten, oft ehrenamtlich durchgeführt. In Gelsenkirchen bietet die Volkshochschule Kurse an, deren Kosten erstatten werden. Wir besorgten Termine und Ansprechpartner und verteilten die Informationen in der Unterkunft. Für rechtliche Fragen vermittelten wir den Kontakt zu Pro Asyl oder in einzelnen Fällen zu einem Anwalt und verabredeten uns dazu, z.B. wurde ein Junge, der als einziger Überlebender seiner Familie aus Afghanistan floh, bei der Aufnahme als 18-Jähriger eingetragen, obwohl er erst 16 ist.
Und wir diskutierten, dass sie sich auch für ihre Rechte zusammentun müssen, gemeinsam zur Stadt  gehen für Deutschkurse oder die Erstattung der Kosten für die KiTa. Dabei unterstützen wir sie.
Unsere Schlussfolgerungen: Wir bleiben in Kontakt und besuchen weitere Unterkünfte. Oft reicht es, Kontakt zu einer Familie zu halten, die dann andere informiert. Wir laden die Frauen zu Courage ein: In Gelsenkirchen findet ab Oktober ein internationales Cafe und Beratung für Flüchtlingsfrauen statt. Courage Essen macht schon länger ein internationales Cafe. Neu ist dabei, dass jetzt dabei auch immer Alltagsdeutsch gelernt und 1xWoche wird ein richtiger Deutschkurs im Couragezentrum angeboten. Und Courage fordert: Ausreichend gute Deutschkurse für Flüchtlinge – der Bund muss die Kosten übernehmen!

Denise, Martina, Samira, Seyran/Frauenverband Courage Bundesvorstand, 23.9.15

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