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Courage - der Name soll Programm sein und das besondere Profil des Verbandes kennzeichnen: überparteilich und international, solidarisch und demokratisch – ein Zusammenschluss von Frauen jeden Alters und jeder Tätigkeit. 
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Als Studentin ein Jahr in Venezuela PDF Drucken E-Mail
Zu Lateinamerika habe ich ein sehr persönliches Verhältnis, da meine Mutter in Argentinien geboren und aufgewachsen ist. Zwar bin ich selbst in Deutschland geboren, aber weil ich im Jahr der Tschernobyl-Katastrophe auf die Welt kam, entschied sich meine Mutter mit uns Kindern wieder für einige Zeit nach Argentinien zu gehen. Deswegen - vor allem aber wegen meiner Familie - war die erste Sprache, die ich lernte, Spanisch. Bis ins Jahr ´83 hinein herrschte in Argentinien eine Militärdiktatur. So kommt es, dass ich viele von der Militärdiktatur verfolgte Linke schon in frühen Jahren kennenlernte und durch das Zuhören ihrer persönlichen Geschichten schon früh erkannte (wenn damals auch auf sehr kindliche Weise), dass einige Dinge auf der Welt gewaltig schief laufen. Deswegen und auf Grund meines Studiums (Politik und Ethnologie) sah ich es als eine absolute Notwendigkeit, mich an dem Kampf in Venezuela zu beteiligen.
Ein wenig zur Geschichte: Der sogenannte bolivarianische Prozess in Venezuela begann 1998 mit dem Wahlsieg von Hugo Chavez, dessen soziale Basis die Armen in den Barrios (Armenviertel) bilden. Ich fand den Prozess der Erarbeitung einer neuen Verfassung mit großer Beteiligung des Volkes von fundamentaler Wichtigkeit. Von "Volk" spreche ich hier im Zusammenhang mit dem Klassenkampf, der sich zwischen Armen (Volk) und Oligarchie abspielt.
Nachdem Chavez die Auslandschulden an den IWF zurückgezahlt hatte und sich Venezuela so von den Strukturanpassungsprogrammen lösen konnte, begann er die Karten neu zu mischen. Dieses Mal jedoch nicht zum Vorteil der multinationalen Konzerne. Das Geld, das die Jahre zuvor in großen Anteilen ins Ausland geflossen war (vor allem durch die Öleinnahmen), nutzte die bolivarianische Regierung nun, um sie in sozial langfristige Projekte zu investieren. Nicht nur eine Verbesserung der Lebensbedingungen der venezolanischen Bevölkerung wurde dadurch erreicht, sondern es wurde durch Chavez auch - und das ist ausschlaggebend für den proceso revolucionario - eine politische Partizipation der VenezolanerInnen in Gang gesetzt.
In Venezuela findet eine neue Art des Regierens statt. Unter anderem durch die Misiones, die sich unter anderem um eine kostenfreie Gesundheitsversorgung, Literatur, die jeder bezahlen kann (z. B. für die Herstellung wichtiger Bücher zum Selbstkostenpreis - statt 40 € kostet ein wichtiges Buch dann 2 €), und um eine Verminderung der Analphabetisierung u.v.m. kümmern.
Wenn wir über das politische Regierungssystem des karibischen Staates sprechen, so sprechen wir von einer partizipatorischen Demokratie. Nicht wie in Deutschland, in der sich die einzige „politische Aktivität“ von vielen Personen lediglich auf die Wahlen beschränkt. Statt Repräsentanten, die einmal gewählt werden, um dann zumeist Versprochenes nicht ein Mal einzuhalten, gibt es Sprecher von kommunalen Räten (Consejos Communales), die für die Interessen der Stadviertel und die Arbeiter kämpfen.
Ich war 2008 im Rahmen meines Studiums in Venezuela und studierte dort in Merida, einer Stadt mit ca. 220.000 Einwohnern. wovon etwa die Hälfte Chavez-Anhänger und die andere der Opposition zugehörig ist. Die Opposition in Venezuela versucht mit aller Kraft, den Prozess der gesellschaftlichen Veränderung aufzuhalten, zu bremsen und zu sabotieren. Traurig dabei ist, dass diese noch nicht einmal ein politisches Programm hat, wodurch diese angreifbar wäre; ihr Programm ist sehr simpel und lautet „Anti-Chavez“ (und wenn dessen Politik noch so positiv für die Bevölkerung ist).
Die Universitäten, historisch schon immer die eigentliche Hochburg der Opposition (bis noch in die Gegenwart), wo sich die Reichen einkaufen konnten, kostete für mich nichts. Seit Chavez an der Macht ist, ist sowohl die Bildung und Universität umsonst also auch 150 Fahrkarten-Tickets, die ich jeden Monat bekommen habe. Auch die medizinische Versorgung war für mich (als Ausländerin) umsonst. Kuba hat in einem gemeinsamen Abkommen mit Venezuela (Misión Barrio Adentro) rund 3000 Ärzte nach Venezuela geschickt, die sich dort sowohl um die Ausbildung von Fachleuten im medizinischen Sektor kümmern als auch selbst die Patienten behandeln.
An der Uni gibt es viele politische Diskussionen. In den letzten zehn Jahren wird überhaupt überall viel über Politik diskutiert. Traditonsgemäß trugen die Studenten Lateinamerikas maßgeblich zur politischen Gestaltung des Landes bei. Auch ist es im Gegensatz zu Deutschland in Venezuela ganz normal, dass an der Uni Vorlesungen über Marx und Engels usw. gehalten werden.
Als Teil meiner Arbeit habe ich zudem in einem Armutsviertel mit Kindern gearbeitet. Dort haben wir Workshops mit 5 -17 jährigen Kindern und Jugendlichen gemacht, um herauszufinden, welche Probleme sie haben und sie zu ermutigen, selbst aktiv zu werden. Das haben wir beispielsweise über einen Fotoworkshop gemacht. Sie hatten die Aufgabe, 50 Fotos zu einem Thema zu machen. Später setzten wir uns zusammen und haben darüber gesprochen. Wir haben ihnen beigebracht, wie man fotografiert, filmt, Fotos hochlädt und bearbeitet.
Wir sind außerdem auch in Schulen gegangen und haben dort politische Bildung gegeben. Es war nicht immer leicht, in die Schulen reinzukommen. Aber mit Hilfe von Tatuy TV, einem kommunitären Fernsehsender, mit dem ich sehr eng zusammenarbeitete, und der staatlichen Unterstützung gelang es uns Zugang zu den Schülern zu finden. Nachdem wir in einer Schule jeweils vier Workshops gemacht hatten, arbeiteten wir außerhalb der Schule mit den Jugendlichen weiter.
Im Februar 2009 war ich dort auch als Wahlhelferin aktiv. Auffällig war die enorme Disziplin, mit der die Grupos Bolovarianos arbeiteten. Ab 7 Uhr morgens wurden Dokumente und Papiere durchgearbeitet, z. B. das Kommunistische Manifest, Analysen über nationale und internationale Probleme und das kontinuierlich das ganze Jahr hindurch. Nach den zwei Theorie-Stunden gingen alle zur Arbeit oder in die Schule. Chavez sagt, dass die wichtigste Waffe gegen die Angriffe auf den "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" die Bildung ist. Wir müssen 10 x besser sein als die Opposition. Wir müssen alles 10 x besser können. Unsere Waffe ist die Bildung.
Eine starke Waffe der Gegner des bolivarianischen Prozesses hingegen sind die 800.000 Fernsehstunden, die pro Jahr aus den USA nach Lateinamerika importiert werden (wie bspweise die Telenovelas). Die sind aus dem Leben einer lateinamerikanischen Frau nicht wegzudenken. Das frisst sich am meisten in die Köpfe rein. Dagegen hilft nur Bildung.
Im März 2011 findet in Venezuela die nächste internationale Weltkonferenz von Basisfrauen statt. Es ist wichtig, dass wir uns international organisieren und die Welt auf diesen Prozess aufmerksam machen. Denn eins ist sicher, den imperialistischen Nationen einschließlich ihrer Monopole und der dahinterstehenden Interessen passen die derzeitige Entwicklung Venezuelas, sowie der weltweit wachsende Widerstand gegenüber dem Kapitalismus gar nicht.
Malena, Dezember 2010


 

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